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Autobahnzubringer Emmental: Umfahrung oder Null+

Am 17. Februar 2015 wurde in Hasle-Rüegsau ein Informationsabend zum Stand der Dinge betreffend Autobahnzubringer (oder wie es jetzt schön heisst: Verkehrssanierung) Emmental durchgeführt. Die Befürworter eines AZE fuhren in Scharen auf und gaben Gas. Die anschliessende Berichterstattung in der Tages- und Wochenpresse sieht das ganze Emmental vereint und in freudiger Erwartung einer neuen Strasse basierend auf genau einem Projekt. Hier die Gegenstimme!

Vorprojekte zu den beiden Varianten

Sowohl Regierungsrätin Frau Egger wie auch Stadtpräsidentin Frau Zäch liessen keinen Zweifel offen, dass sie die Umfahrungsvariante bevorzugen. Die vom Grossrat verlangte ausgewogene Behandlung der beiden Varianten zur Verkehrssanierung Emmental war kaum sichtbar. Es steht deshalb zu befürchten, dass die Variante Null+ stillschweigend „erledigt“ wird.

Finanzen

Frau Egger plant, die durch die Ablehnung des Trams Region Bern freigewordenen Gelder für die Verkehrssanierungen Emmental und Oberaargau einzusetzen. Es ist zu befürchten, dass der Grossrat dieses Geschäft so durchwinkt.

Der Fonds enthält zwischen 150 bis 280 Millionen Franken, die zwischen dem Emmental und Oberaargau aufgeteilt würden. Frau Zäch will zusätzlich einen Agglomerationsbeitrag des Bundes beantragen, der aber grundsätzlich nur für Projektierungsarbeiten geleistet wird (im Fall AZE max. 40 % von ca. 41 Mio. Fr). Wir können davon ausgehen, dass damit im besten Fall total rund 200 Millionen Franken für die Umfahrung Emmental zur Verfügung stehen würden. Hoffentlich ist dem Grossrat bewusst, dass damit höchstens die Hälfte des Projekts finanziert ist; der Rest müsste aus der Staatskasse des Kantons kommen.

Umwelt

Die ganze Umfahrung hat eine Länge von 7760 m, davon 3160 m in mehreren Tunneln. Berührt werden teilweise sensible Gebiete wie das Meienmoos.

Rund 18'000 Fahrzeuge fahren heute täglich auf der Emmental-Achse, darunter ein überdurchschnittlicher Anteil an Schwerverkehr. Durch den Bau einer Schnellstrasse von der Autobahn-Ausfahrt Kirchberg nach Hasle wird zweifelsohne noch mehr Verkehr angezogen insbesondere auch Schwerverkehr, der die Abkürzung Richtung Innerschweiz benützt. In Hasle ergiesst sich dieser Verkehr dann auf die relativ engen Strassen Richtung Langnau und Huttwil und verlagert die Verkehrsprobleme dorthin.

Die Variante Null+

Verkehrsberuhigende und entlastende Massnahmen sind für die Emmentalstrasse nötig, dies ist völlig unbestritten. Die Umweltorganisationen unterstützen aber nur eine nachhaltige und umweltverträgliche Lösung der Verkehrsprobleme: Die Variante Null+, welche sich allein mit den zur Verfügung stehenden 200 Millionen finanzieren lässt. Die Umweltverbände haben diese für Verkehrsteilnehmende und Anwohner gute Lösung mit konkreten Vorschlägen (z. B. überdeckte Unterführung beim Spital und damit Verbindung der heute durch die Kantonsstrasse getrennten Quartiere Lindenfeld und Schlossmatte) schon angedacht.

Null+ kann viel rascher realisiert werden als das Projekt „Autobahnzubringer“, für welches der Plan eine Inbetriebnahme erst im 2030 vorsieht.

Fazit

Die Verkehrssanierung nach dem Projekt Null+ ist sinnvoll, für Kanton und Region finanzierbar und kann innert nützlicher Frist realisiert werden. Eine Umfahrung ist mehr als doppelt so teuer, zieht wesentlich mehr Verkehr an und muss aus Gründen der Ökologie und Nachhaltigkeit abgelehnt werden.

23.02.2015 / Ernst Rüfenacht